13:23:35 Wien
19:23:35 Denpasar

Indonesisch gehört zu den malaiisch-polynesischen Sprachen, die in einem Gebiet gesprochen werden, das von Madagaskar im Westen bis zur Osterinsel im Osten reicht, und von Taiwan im Norden bis nach Neuseeland im Süden. Indonesisch (Bahasa Indonesia) ist seit dem 18. August 1945 offizielle Staatssprache der seit dem 17. August 1945 unabhängigen Republik Indonesien.

Basierend auf dem klassischen Malaiisch, ist das Indonesische angereichert mit einem großer Wortschatz aus den Regionalsprachen des Landes, besonders aus dem Javanischen, dem Sundanesischen und dem Maduresischen, also jenen Sprachen, die unmittelbar auf den Insel Java und Madura gesprochen werden. Aber auch Einflüsse aus Makassar (Südsulawesi), von den Dajak-Sprachen (Kalimantan), von den Minangkabau und den Bataks (Sumatra), und schließlich auch aus Bali sind nachzuweisen.

Zahlreich sind auch Lehnwörter, aus hinduistscher Zeit vieles aus dem Sanskrit, über den späteren Islam dann vieles aus dem Arabischen. Auch die Sprachen der europäischen Besatzer, Portugal und Holland, haben Spuren hinterlassen. Ebenso gibt es chinesische Einflüsse, und immer dominanter, englische.

Indonesisch befindet sich ständig in der Entwicklung. Je stärker sich die Bevölkerung westlichen Standards gegenüber öffnet, desto mehr Präzision wird von der Sprache erwartet. Eine wichtige Rolle bei Neuadaptierungen des Indonesischen spielen dabei die Printmedien. Diese überraschen ihre Leser fast täglich mit neuen Wortschöpfungen oder Wort-Zusammenziehungen, vielleicht nicht immer mit Rücksicht auf deren Verständlichkeit.

Indonesisch funktioniert nach dem Prinzip der sogenannten Agglutination. Hierbei werden an einen Wortstamm eines oder mehrere Präfixe oder Suffixe "angeklebt", also agglutinert. Daraus entstehen verschiedene Wortbedeutungen und teilweise grammatikalische Kategorisierungen.

Hier ein Beispiel zum Begriff "sehen": Der Wortstamm lihat bedeutet alleine nicht viel, außer den Imperativ "schau!". Erst mit einem Präfix (melihat) wird daraus das Verbum "sehen". Ein anderes Präfix schafft die Passivform: dilihat, was "gesehen" (werden) bedeutet. Auch Kombinationen von Prä- und Suffixen werden verwendet, wie beispielsweise kelihatan ("sichtbar"), penglihatan ("Eindruck, Wahrnehmung") oder memperlihatkan ("vorzeigen").

Wortkategorien, wie sie aus westlichen Sprachen bekannt sind (Substantiv, Verb, Adjektiv, Präposition, etc.), gibt es im Indonesischen nur bedingt. Das Wort jalan beispielsweise kann sowohl "Straße" (Substantiv) bedeuten, als auch "gehen" (Verbum). Krause* führt daher eine speziell auf die Gegebenheiten der indonesischen Sprache abgestimmte Wortkategorisierung an:

  1. Grund- oder Stammwörter (kleinste morphematische Einheit)
    z.B. lihat ("schau!")
  2. Abgeleitete Wörter (durch Affixe erweiterte Stammwörter)
    z.B. memperlihatkan ("vorzeigen")
  3. Reduplizierte Wörter (durch Verdopplung des Stammworts)
    z.B. lihat-lihat ("schau dir das an!")
  4. Komposita (durch Zusammenstellung von zwei Wörtern)
    z.B. sudut lihat ("Winkel" des "Sehens" = "Gesichtspunkt")

Reduplizierungen von Wörtern dienen einerseits deren Verstärkung (indah = "schön", indah-indah = "wunderschön"), andererseits um den Plural auszudrücken. Das Wort ibu bedeutet "Mutter", ibu-ibu sind daher "Mütter". Wird die Anzahl der Mütter präzisiert, fällt die Reduplikation allerdings sofort wieder weg. tiga ibu ist als Aussage ausreichend für drei Mütter, denn tiga ("drei") sagt ja schon klar genug aus, dass es mehr als eine ist.

Bei den Komposita zeigt sich eine weitere Besonderheit der indonesischen Sprache. Ein Beispiel: ibu heißt "Mutter", und jari heißt "Finger". Sagt der Indonesier ibu jari, dann meint er die "Mutter" (der) "Finger", und das ist der Daumen, sagt er hingegen jari ibu, dann ist dies der "Finger" (der) "Mutter". Was hier wie eine verdeckte Genetivkonstruktion aussieht, ist in Wirklichkeit die Reihung vom Übergeordneten zum Untergeordneten. Umgekehrt die deutschsprachige Konstruktion: Beim Taschengeld gehts ums Geld, bei der Geldtasche um die Tasche.

Im Zusammenhang mit der indonesischen Sprache taucht immer wieder der Begriff "Sprachökonomie" auf. Damit ist gemeint, das für die Übermittlung von Inhalten der kleinstmögliche Sprachaufwand betrieben wird. Ein indonesisches Sprichwort lautet: Ada gula ada semut. Wörtlich heißt das "Gibt Zucker gibt Ameisen". Auf Deutsch müsste das mindestens so lauten: "Gibt es Zucker, kommen auch die Ameisen".

Die Schwierigkeit des Indonesischen besteht daher nicht aus exotischen Vokabeln, sondern aus für den westlichen Menschen völlig fremden Denkmodellen, Minimalisierungen und dann, in der Praxis, schier endlos scheinenden, sinnentleerten Wortkaskaden, um den Gesetzen der Höflichkeit Genüge zu tun.

Dennoch: Indonesisch zu lernen und zu sprechen ist wirklich SPANNEND.

Und Indonesisch zu lesen, ist für den Deutsch Sprechenden gar nicht so schwer, gelten doch bis auf einige Ausnahmen die gleichen Regeln wie im Deutschen. Hier Genaueres:

Vokale

a
in offenen Silben lang und offen wie "Kater"
in geschlossenen Silben kurz wie "satt"
e
normales e (betonbar) wie "Heer"
gemurmeltes e (pepet) wie "gekommen"
i
in offenen Silben lang wie "Schiene"
in geschlossenen Silben kurz wie "Riss"
o
offen wie "Sonne"
in Ausnahmefällen auch lang und geschlossen wie "Totem"
u
in offenen Silben lang wie "Kufe"
in geschlossenen Silben kurz wie "Mutter"

Konsonanten

c
tsch (stimmlos)
f
fast nur in (arabischen) Fremdwörtern, oft durch p ersetzt
h
als Anlaut weich, kaum hörbar
als Inlaut zwischen gleichen Vokalen deutlich hörbar
als Inlaut zwischen unterschiedlichen Vokalen weich, kaum hörbar
als Auslaut deutlich hörbarer Hauchlaut
j
dsch (stimmhaft) wie (engl.) "jazz"
k
als Anlaut und Inlaut wie im Deutschen
als Auslaut stumm, der letzte Vokal wird abgebrochen
kh
wie "Dach"
ng
ein einziger Laut wie "Menge"
ngg
getrennt gesprochen wie "Angabe"
ny
wie in "Kampagne"
r
gerolltes Zungen-r
s
immer scharf und stimmlos wie "Fass"
sy
schwacher sch-Laut wie "schämen"
v
nur in Fremdwörtern, ausgesprochen wie scharfes f
w
wie (engl.) "water"
y
j wie "ja"
z
stimmhaft wie "Rose"

* KRAUSE, Erich-Dieter: Lehrbuch der indonesischen Sprache. Leipzig 1984.